bolayaktuell.

Interview auf filderklick.de “Herr Bolay, wir hätten da mal 10 Fragen…”

10 Fragen zu meinen Erfolgen, zum Umgang mit der schwierigen Corona-Situation und zur Zukunft der Stadt – aber auch zu Party-Locations und Elon Musk.

Herr Bolay, Sie sind nun bereits seit 16 Jahren im Amt. Eine lange Zeit, in der Sie der Entwicklung der Stadt Ihren Stempel aufdrücken konnten. Rückblickend betrachtet, welches Projekt ist Ihnen besonders ans Herz gewachsen?

Christof Bolay: “Es gibt nicht das eine Projekt, das ich besonders in Erinnerung habe, sondern die grundsätzliche Entwicklung: Neue Kitas in allen Stadtteilen, die hohen Investitionen im Schulzentrum oder auch die Gründung und Entwicklung der Bürgerstiftung. Das alles sind Dinge, die weit in die Zukunft hinein wirken werden.”

Im Moment dreht sich alles um das Thema Corona. Vor allem die Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen haben ein hartes Jahr hinter sich und sehen weiteren schwierigen Monaten entgegen. Wie kann verhindert werden, dass kleine Läden aufgeben müssen und die Stadtteile an Attraktivität verlieren?

Christof Bolay: “Tatsächlich haben wir noch überall attraktive Stadtteile. Am Ende entscheidet jeder von uns selber: Wo kaufe ich die wichtigen Sachen ein? Wo hole ich mir im Lock-Down das Essen in der Gastronomie? Da stelle ich eine hohe Loyalität zu den Anbietern fest. Aber klar: Je länger das alles dauert, desto schwieriger wird es für jeden einzelnen Betrieb. Der Staat hilft ja im Moment auf allen Ebenen. Auch wir haben zum Beispiel über die Frage der Außengastronomie versucht, die lokale Wirtschaft zu fördern.”

Sie sind selbst Vater von drei Kindern und kennen sich bestens bei den Freizeitmöglichkeiten junger Heranwachsender aus. Welche Freizeittipps in Ostfildern würden Sie (natürlich nach der Corona-Zeit) einem Teenager geben?

Christof Bolay: “Oh je, von den angesagten Party-Locations bin ich mittlerweile weit weg. Aber alle, die sportlich aktiv sind, kennen sicher das Trendsportfeld. Überhaupt ist es eine große Stärke von Ostfildern, innerhalb von wenigen Minuten im Grünen zu sein und dort die Natur zu genießen. Und an bestimmten Stellen kann man dann zum Beispiel auch sehr entspannt mit Freunden grillen.”

Die Kulturbranche ist sicherlich mit am stärksten von der Corona-Krise betroffen. Andere Städte konnten ihre Kulturschaffenden durch das Ausrichten diverser Outdoor-Events unterstützen. Wäre so etwas nicht auch in Ostfildern denkbar?

Christof Bolay: “Das kulturelle Leben in der Stadt zu erhalten, ist sicher eine der großen aktuellen Aufgaben. Wir haben mit der Sommerkultur auf der Landschaftstreppe in den Ferien eine gute Antwort auf diese Frage gegeben. Aber es ist mir genauso wichtig, zum Beispiel ein Angebot wie die Jugendbühne auf Dauer zu erhalten. Da sind Aufführungen dabei, die mir die Tränen in die Augen treiben: Zum einen inhaltlich und zum anderen auch, weil ich das Engagement der jungen Menschen sehe und Hochachtung davor habe.”

Unternehmen in der gesamten Stadt mussten in der Corona-Zeit sehr schnell auf die wachsenden Anforderungen in Bezug auf digitale Kommunikationsmittel und –prozesse reagieren. Warum tun sich Stadtverwaltung und auch Schulen damit so schwer?

Christof Bolay: “Mein Eindruck ist ein anderer. Wir haben die Möglichkeit des Home-Office oder des mobilen Arbeitens sehr schnell und sehr deutlich ausgeweitet. Das stößt dann an bestimmte Grenzen. Technische, weil es dazwischen schwer war, weitere Lizenzen unseres Rechenzentrums zu bekommen. Rechtliche, denn der Datenschutz ist gerade für die Verwaltung ja ein wichtiges Thema. Und sachliche, weil manche Arbeiten – denken Sie nur an den ganzen Bürgerservice – eben nicht von Zuhause gemacht werden können. Bei den Schulen gab es zu Beginn sicher unterschiedliche Startvoraussetzungen. Das begann schon bei den nutzbaren Plattformen. Aber in der Zwischenzeit hat sich das in meinen Augen gut eingespielt. Alle sind mit großem Engagement dabei. Das ist an der Stelle sicher die wichtigste Voraussetzung.”

Ostfildern ist ein gefragter Standort, daher wird nun auch das Gewerbegebiet in Scharnhausen erweitert. Finden Sie es schade, dass nicht ein Elon Musk oder Jeff Bezos angeklopft haben? Wie hätten Sie reagiert, wenn dies passiert wäre?

Christof Bolay: “Wahrscheinlich hätte ich mich erst mal umgeblickt, ob ich die versteckte Kamera finde. Im Ernst: Wir entwickeln dieses Gebiet ja vor allem unter der Überschrift, eine Perspektive für Unternehmen aus der Stadt zu bieten. Da wäre es falsch, auf eine einzige Karte zu setzen. Es gibt sehr viel Interesse von den Unternehmen, die zum Teil in hoch-innovativen Bereichen unterwegs sind. Ich kann mir auch ein Gründerzentrum in Zusammenarbeit mit der Uni Hohenheim dort vorstellen. Gerade der Bereich der Bio-Ökonomie wird in den nächsten Jahren sicher an Bedeutung gewinnen. Da kommt das Gebiet genau recht.”

Apropos Jeff Bezos und Amazon: Konnten Sie alle Ihre Weihnachtsgeschenke noch vor dem Lockdown vor Ort besorgen oder musste der Onlinehändler helfen?

Christof Bolay: “Ich habe das große Glück, dass ich mich in der Frage – wie in allem anderen auch – sehr auf meine Frau verlassen kann. Wir fangen teilweise schon in den Sommerwochen an, uns Gedanken darüber zu machen. Aber bevor der Heiligenschein zu groß wird: Natürlich haben auch wir, habe auch ich schon online bestellt.”

Im Südwesten befindet sich die gesamte Industrie in einem Strukturwandel. Was denken Sie, welche Auswirkungen wird dies auf das Leben der Bürgerinnen und Bürger in Ostfildern in den nächsten zehn Jahren haben?

Christof Bolay: Wir erleben einen tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt. Die Digitalisierung wird alle Bereiche massiv verändern. Die große Frage wird sein, wie der Mittelstand und die großen Autobetriebe darauf reagieren. Ich habe großes Vertrauen in die Kraft der Ideen schwäbischer Ingenieure. Nach einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung haben wir in Ostfildern überdurchschnittlich viele hochqualifizierte Arbeitsplätze. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Deswegen brauchen wir Angebote wie das vorhin besprochene Gründerzentrum.””

Immer mal wieder flammen kurzzeitig Infrastrukturprojekte wie eine zweite Landebahn des Flughafens oder eine Filderauffahrt mit Kurz- oder Langtunneln als Verlängerung der B312 auf. Welche dieser Projekte wären für die Stadt Ostfildern von Vorteil? Welche lehnen Sie dagegen ab? Gibt es Projekte, die sinnvoller wären?

Christof Bolay: “Die Ausbaupläne des Flughafens haben wir in der ganzen Filderregion gemeinsam abgewehrt. Heute wird die Geschäftsführung uns dafür wahrscheinlich sogar dankbar sein – auch wenn sie das niemals zugeben werden. Ich bin auch ehrlich gesagt skeptisch, ob weiterer Straßenbau wirklich unsere Probleme lösen kann. Stattdessen setze ich auf die “3 V”: vermeiden, verlagern, verbessern. Vermeiden von unnötigen Fahrten, verlagern auf Fußwege oder Fahrrad, verbessern bei Bus und Bahn oder auch der Infrastruktur, was E-Mobilität, Carsharing etc. angeht. Wenn nach Corona viele einen Teil weiter im Homeoffice arbeiten, kann auch das helfen: Ein Tag in der Woche und es wäre 20 % weniger Verkehr unterwegs.”

Abschließend möchte ich Sie gerne fragen, was Ostfildern im Vergleich mit Esslingen und Stuttgart so besonders macht?

Christof Bolay: “Jeder Stadtteil hat seine eigene Besonderheit. Und trotzdem bilden wir gemeinsam die große Kreisstadt Ostfildern. Mit allen Angeboten, die ein städtisches Leben ausmachen. Gleichzeitig sind sie von jedem Fleck der Stadt aus in fünf Minuten in der Natur. Diese Mischung ist sehr besonders. Und natürlich sind es vor allem die Menschen, die eine Stadt ausmachen. Da haben wir in Ostfildern viele tolle Zeitgenossen, die sich aktiv in unsere Stadt einbringen. Ich bin sehr stolz darauf, Oberbürgermeister einer solchen Stadt sein zu dürfen – und das auch hoffentlich die nächsten acht Jahre.”

Herr Bolay, vielen Dank für dieses spannende und aufschlussreiche Interview. Für Ihren Wahlkampf wünsche ich Ihnen viel Erfolg.

Das Interview führte Marius Hörrmann

Christof Bolay
Panoramastr. 51/1
73760 Ostfildern
christof.bolay@web.de

Social-Media: