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Heute Abend findet im Kubino die Vorstellung der OB-Bewerber statt. Meinen Redetext finden Sie hier:

1. Vorstellung

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Wählerinnen und Wähler,

bei dieser OB-Wahl ist vieles anders. Unter anderem auch der heutige Abend. Normalerweise wäre der Saal voll und eine gewisse Spannung in der Luft. Heute rede ich stattdessen ins fast Leere hinein. Daher habe ich mir lange überlegt, was ich Ihnen denn überhaupt sagen sollte.

Ich könnte mich natürlich erst einmal als Person vorstellen. Aber viele von Ihnen kennen mich, oft auch persönlich, und die anderen haben hoffentlich meine Broschüre in den Briefkästen vorgefunden. Dort sind ja alle wesentlichen Daten, wie 52 Jahre, verheiratet, drei Kinder und seit 2005 Oberbürgermeister von Ostfildern, enthalten.

Daneben könnte ich Ihnen die Erfolge der letzten acht oder sogar 16 Jahre auflisten. Vom Umbau hier im Kubino über die neue Grundschule Ruit bis zu den Sanierungen in den Stadtteilen. Oder auch die erfolgreichen Gründungen von so positiven Organisationen wie der Bürgerstiftung oder der Bürgerenergiegenossenschaft.

Nein, stattdessen will ich meine Redezeit für zwei Aspekte nutzen. Zum einen einen Blick in die Zukunft zu werfen. Und zum anderen zu beschreiben, was es in meinen Augen ausmacht, Oberbürgermeister zu sein. Was man für diese Aufgabe mitbringen muss. Und was für diese besondere Position wichtig ist.

Also erst mal der Blick in die Zukunft. Wir haben nachher sicher noch Gelegenheit, das eine oder andere zu vertiefen. Daher will ich mich auf drei Gedanken konzentrieren: Bildung und Betreuung, Klimaschutz und gesellschaftlicher Zusammenhalt. So schrecklich viel Redezeit habe ich nicht. Daher wird es ein bisschen ein Schweinsgalopp durch verschiedene Themen werden.

Bildung und Betreuung sind und bleiben Kernthemen unserer Stadt. Nicht nur im Schulzentrum. Sondern eben auch in den Stadtteilen. Ob die Wasenäckerschule in Scharnhausen oder die Pfingstweideschule in Kemnat. Daneben werden wir in den nächsten Jahren auch zu diskutieren haben, welche Grundschulen sich auf den Weg machen, eine Ganztagesschule zu werden. Das geht natürlich nur gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern und den Eltern. Ostfildern hat derzeit die höchste Betreuungsquote bei Schulkindern im ganzen Landkreis Esslingen. Eben auch, weil wir noch relativ wenige Ganztagesschulen haben.

Betreuungsplätze in den Kitas brauchen wir auch weiterhin zusätzliche. Dazu gibt es einige Überlegungen. Sei es in Scharnhausen im Neubaugebiet Ob der Halde oder in Nellingen als Ersatz für die Interimskita am Sportplatz. Wir werden weitere Ideen bald mit dem Gemeinderat diskutieren. Außerdem haben wir die Förderung für Tagesmütter und -väter verbessert. Auch das ist ein Baustein der Betreuung.

Viel beachtet wurden neue oder komplett sanierte Kitas der letzten Jahre. Das haben wir in allen Stadtteilen hinbekommen. Denken Sie nur an die die Neubauten in der Waldstraße Kemnat oder der Mutzenreisstraße Nellingen. Wir sollten bei allen Diskussionen nicht vergessen, dass rund 2.500 Kinder in der Stadt sehr gut und professionell betreut werden. Daher danke ich auch heute allen engagierten Erzieherinnen und Erziehern sehr für ihre wertvolle Arbeit.

Bei der Bildung investieren wir unglaubliche Summen. Allein hier im Schulzentrum werden es am Ende deutlich mehr als 50 Millionen Euro sein. 50 Millionen. Eine fünf mit sieben Nullen hintendran. In diesen Tagen startet der Neubau der Sporthalle 1. Die größte Einzelmaßnahme in der Geschichte der Stadt. Die Gemeinschaftsschule wird danach einen angemessenen und dauerhaften Platz finden. Diese neue Schulform habe ich übrigens bereits im Wahlkampf 2013 unterstützt. Bis heute bin ich von diesem weiteren Bildungsangebot in Ostfildern überzeugt.

Sehr am Herzen liegt mir die Schulsozialarbeit. Das ist für unsere Gesellschaft eine Investition, die sich in jedem Fall lohnt. Und gleichzeitig ist der Bildungs-Bereich immer in Bewegung. Wer weiß, was einer möglicherweise neuen Landesregierung in einigen Wochen einfällt.

Der Klimaschutz als zweiter Punkt ist eine Menschheitsherausforderung. Wir werden es in Ostfildern nicht alleine schaffen. Aber wir sollten auch nicht auf andere warten. Daher werde ich zusammen mit den Stadtwerken einen Öko-Ostfildern-Strom anbieten. Aber auch ein Pfand-Mehrwegsystem für die Gastronomie testen. Und mit den Marktbeschickern darüber sprechen, wie wir einen plastikfreien oder zumindest plastikarmen Wochenmarkt hinbekommen. Alles kleine Schritte. Aber in die richtige Richtung. Und noch dazu können Sie jeweils mitmachen.

Derzeit kommen rund 20 % des privaten Stroms in der Stadt aus der Sonne. Diesen Anteil will ich Jahr für Jahr steigern. Allein das Holzheizkraftwerk im Scharnhauser Park versorgt 9.000 Menschen mit Wärme. Ich werde mich dafür einsetzen, dass dort eine insgesamt klimaneutrale Wärmeerzeugung stattfindet.

Wenn Sie meine Info-Stände zur Wahl besuchen, dürfen Sie jeweils gerne ein Tütchen mit insektenfreundlichem Blumensamen mitnehmen. Das ist natürlich nur eine Kleinigkeit. Aber vielleicht doch ein anderes Statement als Luftballons und Plastikfeuerzeuge.

Viel größer sind Aktionen wie 1.000 Bäume für Ostfildern oder der kontinuierlich gestiegene Anteil von Blühstreifen. Wir werden in diesem Jahr die Fläche der Blühstreifen auf über 6.000 Quadratmeter im Vergleich zu 2020 mehr als verdoppeln. In Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten haben wir das Projekt „Ackerrandstreifen“ gestartet. Auch das hat inzwischen eine Dimension von über 20.000 Quadratmetern. Solche konkreten Aktionen sind mir wichtig.

Um das große Ziel im Klimaschutz zu erreichen, werden wir unseren Lebensstil ganz grundsätzlich in Frage stellen müssen. Wir brauchen eine neue Mobilität, ein anderes Einkaufsverhalten und nachhaltiges Bauen. Dabei werde ich darauf achten, dass das unsere Gesellschaft „aushält“. Wer weniger Geld hat, fährt nämlich oft das ältere Auto, ist auf Discounter-Angebote angewiesen oder wohnt in schlechter isolierten Häusern. Da darf die soziale Schere nicht noch weiter auseinandergehen.

Denn drittens hat uns Corona überdeutlich gezeigt, wie wichtig der gesellschaftliche Zusammenhalt ist. Und es hat uns auch gezeigt, wie sehr alle Generationen zusammenhängen. Wie sehr sich Alt und Jung gegenseitig brauchen. Um die Gesundheit aller zu erhalten. Aber auch, um der Zukunft einen lebenswerten Planeten zu überlassen.

Ich will, dass wir eine Stadt bleiben, in der analog wie digital seinen Platz hat. In der heimatverbundene Menschen, die zum Beispiel schon immer in der Parksiedlung wohnen, genauso gerne hier sind wie ihre Nachbarn, die als international orientierte Menschen nach ein paar Jahren wieder weiterziehen. Dass wir offen für Neues bleiben, aber nicht jeder Veränderung hinterher hecheln. Dass jede und jeder einen Platz in Ostfildern hat.

Über die Kinder haben wir bereits gesprochen. Genauso wichtig ist eine gut funktionierende Altenhilfe. Hier hat Ostfildern eine lange und gute Tradition. Das Nachbarschaftshaus, die Demenzkampagne, bereits zwei ambulant betreute WGs. Auf all das können wir gemeinsam stolz sein. Daran werde ich anknüpfen. Und in jedem Stadtteil eine solche WG etablieren. Die Quartiersentwicklung in Nellingen hat mit Projekten wie der Zeitbank bereits gute neue Impulse gegeben.

Die Kultur in Ostfildern hat viele Aktive. Ob private Initiativen oder städtische Einrichtungen – alle leisten einen Beitrag dazu. Gerade in der Pandemie haben viele Menschen entdeckt, wie wichtig Begegnung und Kultur für unseren Alltag ist. Diesen Schatz unserer Stadtgesellschaft will ich unbedingt erhalten und stärken.

Für unsere Gesellschaft leisten die Vereine einen großen und großartigen Beitrag. Ich werde sie weiter unterstützen. Sie sind neben den aktuellen Fragen durch den demografischen Wandel stark herausgefordert. Und sie bieten viele Angebote für die Jüngsten bis zu den Senioren. Es wird sicher mehr und mehr zu stadtweiten Vereinen kommen. Diesen Prozess werde ich begleiten und in gute Bahnen lenken.

All diese Aufgaben und Herausforderungen brauchen einen Oberbürgermeister, der weit über den Tellerrand hinausdenken kann.

Sie haben mich kennengelernt als einen Menschen, der seine Versprechen hält. Der verlässlich für Sie da ist. Seit den ersten Tagen im Amt biete ich meine Sprechstunde „OB vor Ort“ an. Oft ist mir gesagt worden, dass gerade diese Bürgernähe einer meiner stärksten Punkte sei.

Deswegen habe ich meinen Slogan auch sehr bewusst so gewählt. Gemeinsam Gesellschaft Gestalten. Da sind all die Punkte drin, die wichtig sind. Das Gemeinsame mit Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern. Aber auch mit dem Gemeinderat und der Verwaltung, deren Chef ich als OB bin. Ganz allein kann ich gar nichts ausrichten, sondern nur im Team. Unsere Gesellschaft zusammenzuhalten ist eine der vornehmsten Aufgaben in diesem Amt. Und die Freude an der Gestaltung, ja auch an der Verantwortung gehört zwingend zum Profil dazu.

Barack Obama hat das in seinem Buch als „leading by principle, not by declaration but by conviction” bezeichnet. Also Führung aus Überzeugungen, Werten, Prinzipien. Dafür stehe ich.

Ich verspreche Ihnen, dass ich mich mit aller Kraft für unsere Stadt einsetzen werde. Auch wenn sich manches sicher noch ganz anders in den nächsten acht Jahren entwickeln wird, als wir es uns heute vorstellen. Vielleicht trifft es ein allgemeiner Satz ganz gut: eine Stadt ist nie fertig.

Wir gehen als Familie gerne in die Berge. Ganz oben ist die Aussicht und der Überblick besonders gut. Manchmal sogar atemberaubend. Aber gleichzeitig wird die Luft auch merklich dünner. Der Wind kann ganz schön eisig pfeifen. Meistens von vorne. Und wenn Sie sich dann links und rechts umschauen, ist niemand da, der Ihnen sagt, wie Sie jetzt über den schmalen Grat kommen. Genauso ist es auch in der Politik und den dort notwendigen Entscheidungen. Durch, mit und nach Corona stand und steht unsere Stadt Ostfildern vor den größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte. Da braucht es einen Oberbürgermeister, der mit seiner Erfahrung, seinem Wissen und vor allem seiner Persönlichkeit diesen Herausforderungen gewachsen ist. Daher bitte ich Sie um Ihr Vertrauen und Ihre Stimme. Vielen Dank.

2. Abschluss-Statement

Sie alle kennen wahrscheinlich Don Camillo und Peppone. Da gibt es eine wunderbare Szene. Peppone hat mal wieder Wahlkampf und die Abschlusskundgebung ist auf dem Marktplatz. Also genau zwischen Kirche und Rathaus. Dabei erzählt er, dass eine Wahl für ihn wie eine schwere Prüfung in der Schule sei. Die Lehrerin ist streng, aber gerecht. Man hat alles gegeben, das Ergebnis aber nicht mehr in der eigenen Hand. Weiß, dass manches gut, aber sicher nicht alles richtig ist. Und Don Camillo ist so gerührt, dass er ihn dann auch tatsächlich wählt.

Jetzt bin ich kein Bürgermeister wie Peppone und der katholische Pfarrer Alender auch sicher kein Don Camillo. Aber das Bild gefällt mir trotzdem. Denn es trifft es sehr. Wir haben in Ostfildern vieles gut, teilweise sehr gut hinbekommen. Die Menschen leben gerne hier.

Bei einer Wahl geht es aber nie um den Blick zurück nach gestern. Sondern um den nach vorn, nach morgen. Ich habe versucht, Ihnen heute Wege in die Zukunft aufzuzeigen. Diese Wege will ich gerne gemeinsam mit Ihnen gehen. Manche Lösungen sind nicht so einfach wie andere Ihnen weismachen wollen. Lassen Sie sich nicht von Parolen blenden. Bilden Sie sich heute oder bei den noch möglichen Begegnungen auf dem Markt Ihre eigene Meinung.

Ich bitte Sie, an der Wahl am 07. Februar teilzunehmen. Gerne auch per Briefwahl. Stärken Sie das Amt des Oberbürgermeisters durch Ihre Stimme. Wenn Sie mir erneut Ihr Vertrauen geben, werde ich Sie nicht enttäuschen.

Passen Sie weiterhin gut auf sich und Ihre Familien auf. Bleiben Sie gesund. Vielen Dank, dass Sie so lange am Video durchgehalten haben.

Christof Bolay
Panoramastr. 51/1
73760 Ostfildern
christof.bolay@web.de

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